Aus Satellitendaten ist keine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs während der vergangenen 25 Jahre erkennbar

Was macht eigentlich der globale Meeresspiegel? Lange nichts mehr von ihm gehört. Erste Anlaufstelle ist Climate4You, wo man die aktuellen Klimadaten schön aufbereitet findet. Seltsamerweise reichen die Daten des Newsletter Dezember 2017 aber nur bis 2016 zurück, seltsam. Daher schauen wir bei der Originalquelle, der University of Colorado. Wieder dasselbe, die Daten hören Ende 2016 auf. Was ist mit 2017?

Die Satellitendaten durchlaufen eine Reihe von Bearbeitungsschritten, bevor sie in Anstiegsraten von Millimeter pro Jahr übersetzt werden können. Im April 2017 erschien eine Studie in den Geophysical Research Letters, bei der die Korrekturen neu justiert wurden. Dabei zeigte sich, dass die Anstiegsrate seit 1993 im Durchschnitt nicht bei knapp 3,3 mm/Jahr lag, sondern nur bei 3,0 mm/Jahr. Das war für die Alarmisten natürlich nicht schön. Umso bizarrer ist eine Schlagzeile in Nature zur Studie, die daraus etwas ganz anderes macht:

Satellite snafu masked true sea-level rise for decades
Revised tallies confirm that the rate of sea-level rise is accelerating as the Earth warms and ice sheets thaw.

Man vertuscht kurzerhand die insgesamt erniedrigte Anstiegsrate und pickt sich die ungleiche Verteilung des Anstiegs im Zeitraum heraus. Dabei werden alle natürlichen Variabilitäten durch Ozeanzyklen ignoriert. In Wirklichkeit ist aber von einer gesteigerten Anstiegsrate keine Spur zu finden, wie Willis Eschenbach auf WUWT vorrechnet. Das bestätigt auch eine NASA Studie aus dem November 2017 im Journal of Geophysical Research (Beckley et al. 2017):

On the “Cal-Mode” Correction to TOPEX Satellite Altimetry and Its Effect on the Global Mean Sea Level Time Series
Comparison of satellite altimetry against a high-quality network of tide gauges suggests that sea-surface heights from the TOPEX altimeter may be biased by ±5 mm, in an approximate piecewise linear, or U-shaped, drift. This has been previously reported in at least two other studies. The bias is probably caused by use of an internal calibration-mode range correction, included in the TOPEX “net instrument” correction, which is suspect owing to changes in the altimeter’s point target response. Removal of this correction appears to mitigate most of the drift problem. In addition, a new time series based on retracking the TOPEX waveforms, again without the calibration-mode correction, also reduces the drift aside for a clear problem during the first 2 years. With revision, the TOPEX measurements, combined with successor Jason altimeter measurements, show global mean sea level rising fairly steadily throughout most of 24 year time period, with rates around 3 mm/yr, although higher over the last few years.

Wie bereits beim Erwärmungshiatus, schießen nun die Ideen ins Kraut, weshalb sich der Meeressiegelanstieg nicht beschleunigt. In einer Pressemitteilung der National Science Foundation müssen jetzt sogar schon Vulkanausbrüche dafür herhalten, den Meeresspiegel aufgehalten zu haben… Auf die Idee, dass hier Ozeanzyklen eine Rolle spielen, kommen die NSF-Forscher offenbar nicht.

Bei all diesen Eingriffen in die Satelliten-Daten, muss man sich nicht wundern, dass das Vertrauen in die Satellitenmessungen zum Meeresspiegel leidet. So schlägt Mörner (2017) vor, die satellitenbasierten Meeresspieglmessungen hinten an zu stellen und wieder verstärkt auf Küstenpegelmessungen zu setzen, die im Übrigen deutlich verringerte Raten von nur 1,5-2 mm/Jahr anzeigen. Ein klassischer Fall, wo harte Fakten ignoriert, und mathematische Berechnungen präferiert werden.

Auch für die Zukunft könnte es gar nicht so schlecht aussehen, wie oftmals befürchtet. Denn Wissenschaftler gehen von einer Verstärkung des Schneefalls in der Antarktis aus, die große Mengen an Wasser in der südlichen Polkappe binden wird, was den Meeresspiegelanstieg verlangsamt. Der politische Klimaalarm ist das eine, verlässliche Planung das andere. Judith Curry verließ vor wenigen Jahren die Wissenschaft, um Firmen und Behörden im Bereich des Klimawandels zu beraten. Bei ihr haben sich jetzt etliche Kunden gemeldet und sie beauftragt, eine seriöse Analyse des bisherigen Meeresspiegelanstiegs abzugeben, und zudem eine Prognose für die Zukunft zu wagen.

In einem separaten zweiten Teil fasst Curry ihre bisherigen Erkenntnisse zusammen:

The geological record for sea level rise provides important context for recent sea level rise. However, the uncertainties in the geological sea level  record are substantial, associated with sparse sampling, uncertainties in the proxy methods and uncertainties in the analysis methods. Is the 20th century sea level rise unusual? Sea level was apparently higher at the time of the Holocene Climate Optimum (~ 5 ka), at least in some regions. I have not seen an overall assessment of this, but there have recently been numerous publications providing local evidence for higher sea levels during this period. Whether or not sea level was higher during the Medieval Warm Period than current levels remains uncertain, and there is substantial disagreement among different reconstructions on the sea level during the MWP, with the Grinsted et al finding substantially higher sea level values during the MWP (around 1150 AD). Kopp et al. find the 20th century rate of sea level rise to be the highest in the last 27 centuries. However, since their data is barely resolved at 100 year time scales (with decimeter vertical resolution), I would not place  high confidence in their conclusion. Eyeball examination of Grinsted et al.’s Figure 7 shows possibly higher rate of sea level rise between ~1000 and 1100 AD. Overall, I find Kopp et al.’s analysis to be more convincing (apart from overconfidence in the relative rate of 20th century sea level rise). The pace of interesting and important paleo sea level rise research seems to have accelerated since publication of the AR5, I will be following this closely.