Ausweitung der Mückenplage in den USA nicht wegen Klimawandel, sondern aufgrund zu wenig Gifteinsatz und wachsender Urbanisierung

Falls Sie im Großraum Hamburg wohnen, könnte Sie eine Seminarserie der Universität Hamburg interessieren. Am 20. Dezember 2016 geht es um 15:15 Uhr um holozäne Klimamodelle (“MPI-M Holocene simulations – new opportunities and first results”).

Ort: Seminar Raum 022/023, Erdgeschoss, Bundesstrasse 53, 20146 Hamburg
Vortragender: Martin Claussen, MPI-M, The Holocene Group, Max Planck Institute for Meteorology

Es gilt zu hoffen, dass die Modelle bald endlich das vorindustrielle Klima besser in den Griff bekommen. Das geht aber nur, wenn man auch natürliche Klimafaktoren in die Simulationen realistisch einbaut, was bisher nicht der Fall ist. Vorinddustrielle Klimaschwankungen wurden lange Zeit als spontanes, schwer zu erklärendes Rauschen abgetan. Ein shwerer Fehler. Word es jetzt besser? Lassen Sie sich kurz vor Weihnachten von Prof. Claussen überraschen.

Vorbereitender Lesetipp: Klimamodelle und Temperaturrekonstruktionen wollen einfach nicht zusammenpassen: Neue Studie vom Hamburger Max-Planck Institut für Meteorologie

—————-

Der Deutschlandfunk begeisterte am 6. Dezember 2016, als er gleich zwei nichtalarmistische Meldungen in seine Kurzmeldungen aufnahm. In der ersten Meldung wurde eingeräumt, dass die zunehmende Mückenplage in den USA offenbar nur wenig mit der Klimaerwärmung zu tun hat, stattdessen sind die Ursachen in der zunehmenden Verstädterung der Gebiete sowie im verminderten Einsatz von Insektengift zu suchen. DLF:

[...] In den letzten fünfzig Jahren haben sich die Stechmücken-Populationen in den Bundesstaaten New York, New Jersey und Kalifornien verzehnfacht. Die Zahl der Stechmücken-Arten hat sich in dieser Zeit verdoppelt. [...] Ein Grund sei, dass das Insektengift DDT seit den 70ern nicht mehr zum Einsatz kommt. Der zweite Grund für die steigenden Stechmücken-Zahlen sei die Verstädterung der Gebiete. Vor allem Mücken, die von menschlichem Blut leben, profierten davon. Die globale Erwärmung spiele laut den Forschern in den untersuchten Regionen keine große Rolle für die starke Ausbreitung der Mücken.

Hier die Kurzfassung der Arbeit von Rochlin et al. (2016) aus Nature Communications:

Anthropogenic impacts on mosquito populations in North America over the past century
The recent emergence and spread of vector-borne viruses including Zika, chikungunya and dengue has raised concerns that climate change may cause mosquito vectors of these diseases to expand into more temperate regions. However, the long-term impact of other anthropogenic factors on mosquito abundance and distributions is less studied. Here, we show that anthropogenic chemical use (DDT; dichlorodiphenyltrichloroethane) and increasing urbanization were the strongest drivers of changes in mosquito populations over the last eight decades in areas on both coasts of North America. Mosquito populations have increased as much as tenfold, and mosquito communities have become two- to fourfold richer over the last five decades. These increases are correlated with the decay in residual environmental DDT concentrations and growing human populations, but not with temperature. These results illustrate the far-reaching impacts of multiple anthropogenic disturbances on animal communities and suggest that interactions between land use and chemical use may have unforeseen consequences on ecosystems.

Auch die zweite Meldung ist hochinteressant. Anhand von Muschelsschalen wurde das Klima des Nordatlantiks für die vergangenen 1000 Jahre rekonstruiert. DLF:

Die Wissenschaftler haben die Informationen der Muschelschalen mit Berichten über Lufttemperatur, Vulkane und die Sonnenaktivität verglichen. Dabei stellen sie fest, dass vor der industriellen Revolution Veränderungen im Nordatlantik das Klima beeinflussten und die Atmosphäre veränderten.

Hier hatte der Sendung dann wohl doch Angst vor der eigenen Courage. Das Resultat des Vergleiches zwischen Temperatur, Sonnenaktivität und Vulkanen verschweigt man. Lesen wir dazu in der Zusammenfassung des Originalpapers, das am 6. Dezember 2016 ebenfalls in Nature Communications (nicht PNAS) von Reynolds et al. erschien:

Annually resolved North Atlantic marine climate over the last millennium
Owing to the lack of absolutely dated oceanographic information before the modern instrumental period, there is currently significant debate as to the role played by North Atlantic Ocean dynamics in previous climate transitions (for example, Medieval Climate Anomaly-Little Ice Age, MCA-LIA). Here we present analyses of a millennial-length, annually resolved and absolutely dated marine δ18O archive. We interpret our record of oxygen isotope ratios from the shells of the long-lived marine bivalve Arctica islandica (δ18O-shell), from the North Icelandic shelf, in relation to seawater density variability and demonstrate that solar and volcanic forcing coupled with ocean circulation dynamics are key drivers of climate variability over the last millennium. During the pre-industrial period (AD 1000–1800) variability in the sub-polar North Atlantic leads changes in Northern Hemisphere surface air temperatures at multi-decadal timescales, indicating that North Atlantic Ocean dynamics played an active role in modulating the response of the atmosphere to solar and volcanic forcing.

Reynolds und Kollegen bekommen genau das heraus, was wir vor viereinhalb Jahren in unserem Buch “Die kalte Sonne” geschrieben haben: Sonnenaktivität gepaart mit Vulkanausbrüchen und Ozeanzyklen sind die Haupttreiber des vorindustriellen Klimageschehens. Und diese Treiber werden auch nach Anstieg des CO2 ab 1850 nicht plötzlich aufgehört haben. Im DLF-Beitrag lässt man es bei soviel Klarheit lieber nebulös, schade. Vielleicht nächstes mal. Übrigens haben die Autoren eine schöne Mittelalterliche Wärmeperiode (MWP) für ihr Studiengebiet gefunden.

In Kürze wird die Studie auch in unserer MWP-Onlinekarte eingearbeitet werden. Momentan laufen vorbereitende Arbeiten zur Erstellung einer ersten regionalen Synthese. Losgehen soll es mit Afrika und Arabien. Dazu müssen die publizierten Kurven jetzt in Excel- oder anderer plottbarer Form aufgetrieben werden, zum Teil muss mit WebPlotDigitizer digitalisiert werden.

 

Vortrag von Jochem Marotzke am 8. Dezember 2016 beim Kolloquium der Uni Bremen: “Vorhersagen sind schwierig: … Möglichkeiten und Grenzen von Klimamodellen”

Am 8. Dezember 2016 hält Jochem Marotzke (MPI für Meteorologie, Hamburg) im Rahmen des Physikalisches Kolloquium der Universität Bremen einen Vortrag zu Möglichkeiten Grenzen von Klimamodellen:

“Vorhersagen sind schwierig: …” Möglichkeiten und Grenzen von Klimamodellen
Besonders schwierig sind Vorhersagen über eine Zukunft jenseits des menschlichen Erfahrungshorizonts, und um solche handelt es sich, wenn wir den Klimawandel bis zum Ende des 21. Jahrhunderts betrachten. Wir müssen uns dabei auf höchst abstrakte Werkzeuge verlassen, nämlich auf Klimamodelle. Dieser Vortrag wird die Möglichkeiten und Grenzen von Klimamodellen ausloten: Worauf basieren sie? Können wir ihren Ergebnissen vertrauen, und wenn ja, warum? Gibt es fundamentale oder praktische Grenzen ihrer Vertrauenswürdigkeit? Die Antworten liegen in grundlegenden Aspekten der Physik.

Ort: Hörsaal H3, Geb. NW 1, Otto-Hahn-Allee
Zeit: 16:00 Uhr
Organisator: Prof. Dr. Gerd Czycholl, FB 1

 

Vorebereitende Lesetipps dazu hier:

 

 

Ulli Kulke: Jetzt soll ein Landgericht über den Klimawandel richten

Am 2. Dezember 2016 hielt Sebastian Lüning einen Vortrag zur Mittelalterlichen Wärmeperiode auf der Contre-COP22 in Paris. Interessierte Leser können die Vortragsfolien (auf französisch und englisch hier anfordern). Einen Tagungsbericht gibt es auf contrepoints.org. Mehrere Medien berichteten über die Veranstaltung (z.B. francetvinfo.fr und liberation.fr). Das Vortragsprogramm war abwechslungsreich und niveauvoll. Eine verstärkte Zusammenarbeit der einzelnen klimarealistischen Gruppen in Europa und international ist auf jeden Fall sinnvoll.

—————-

Lust sich mal wieder so richtig aufzuregen? Dann wäre diese Veranstaltung der Universiät Hamburg am 12. Dezember 2016 sicher etwas für Sie:

12.12.2016, 18-20 Uhr – Hauptgebäude, Hörsaal B
Die Medien und die „Klimalüge“. Eine Geschichte ohne Ende
Prof. Dr. Michael Brüggemann, Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft, Principal Investigator im Exzellenzcluster CliSAP, Universität Hamburg

Aber vielleicht wird es ja ganz interessant. Wir hatten bereits 2013 über die Forschung von Michael Brüggemann und Kollegen an dieser Stelle berichtet.

—————-

Dürre in Bolivien. Mitschuld hat laut Tagesschau vom 21. November 2016 auf jeden Fall der Klimawandel:

Bolivien leidet unter der schwersten Dürre seit 25 Jahren, zudem war 2016 das heißeste Jahr in dem Andenstaat seit hundert Jahren. Fehlplanungen verschärften die Krise, die durch den Klimawandel und das Wetterphänomen El Niño hervorgerufen wurde. Anfang des Jahres war Boliviens zweitgrößter See, der Lago Poopó, komplett ausgetrocknet. Seit zwei Wochen herrscht eine Dürre, die zu Wasserknappheit in sieben der zehn größten Städte des Landes führte.

Schwersten Dürre seit 25 Jahren? Dann gab es also vor 25 Jahren eine Dürre, die eine ähnliche Dimension erreichte. War damals auch schon der Klimawandel beteiligt? Wie sieht es mit Dürren aus vorindustrieller Zeit aus? Gibt es ungewöhnliche Dürretrends, die im Kontext der letzten Jahrtausende einen bedeutenden anthropogenen Einfluss anzeigen? War Lago Poopó früher noch nie ausgetrocknet? Fragen über Fragen. Leider keine Antworten von der Tagesschau.

Leser des Kalte-Sonne-Blogs kennen das Thema bereits aus einer Anfrage, die wir im Februar 2016 an den SRF gestellt haben. Eine Antwort erhielten wir leider nicht. Hier die Fakten: Ähnliche Austrocknungsereignisse hat es im Lago Poopó bereits in der Vergangenheit mehrfach gegeben. Zolá & Bengtsson 2006 dokumentierten, dass der See bereits 1994-1997, in den frühen 1940er und den frühen 1970er Jahren trocken fiel:

Today the maximum water depth of Lake Poopó may vary by 2–3 m from the state that the lake is dry. The lake may be considered a terminal lake. It rarely spills over. The last event of this kind occurred in 1986, and there is no evidence that it has occurred in the previous 80 years. Therefore salt accumulates in the lake. At the outlet sill level, the lake area is about 3000 km2. The outlet, when there is any flow, is the Laka Jawira River. The lake was dry between 1994 and 1997 and, according to local people, also dry or nearly dry in the early 1940s and in the early 1970s.

http://www.tandfonline.com/doi/pdf/10.1623/hysj.51.1.98

Auf Wikipedia heißt es zudem, dass eine kontinuierliche Wasserfüllung des Sees eher eine Ausnahme als den Normalfall darstellt:

The time period between 1975 and 1992 is the longest period in recent times with a continuous existence of a water body.

https://en.wikipedia.org/wiki/Lake_Poop%C3%B3#Lake_dynamics

Überhaupt kamen und gingen die Dürren in Südamerika auch in vorindustrieller Zeit munter ein und aus. Siehe unseren Blogbeitrag “Früher war nicht alles besser: Neues aus der südamerikanischen Dürreforschung

—————-

Ulli Kulke am 24. November 2016 über einen bizarren Fall:

Jetzt soll ein Landgericht über den Klimawandel richten

Eine deutsche Solidaritätsgruppe lässt einen peruanischen Bauern RWE verklagen. Wegen des CO2-Ausstoßes.

Vor dem Landgericht Essen soll eine neue Weltordnung geschaffen werden. Ob sich die beiden Richter, die dies entscheiden sollen, darüber im Klaren sind?

Ein Peruanischer Bauer klagt gegen den Energieriesen RWE auf Schadenersatz. Die Begründung: Der Konzern sei wegen seiner CO2-Emissionen – vermittelt über die Erderwärmung – daran mitschuldig, dass ein Gletscher, unter dem der Landwirt wohnt und seinen Acker bewirtschaftet, schmilzt, und das Schmelzwasser seine berufliche Existenz gefährde. Dafür soll das deutsche Unternehmen jetzt zahlen, an die Gemeinde jenes Bauern.

Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Der Gedanke ist wohl nicht abwegig, dass dabei die deutsche Umwelt- und Drittweltorganisation Germanwatch eine gewisse Rolle spielte. Sie unterstützt den Bauer bei seiner Klage logistisch und finanziell. Hätte die Klage Erfolg, stünden die Klimaaktivisten dort, wo sie hin wollen: Es bahnte sich eine der größten Umverteilungen der Geschichte an, die Welt wäre sauber eingeteilt im Klimatäter und Klimaopfer, gerichtlich besiegelt.

Doch so weit ist es noch nicht. Zeugen und Sachverständige sind nicht geladen, wie man den Medien entnehmen kann. Sollte dies nicht das Indiz fürs Naheliegend sein, dass nämlich die Klage im Ansatz gleich als unbegründet abgewiesen wird, dann dürfte auf den Schultern der Juristen im Landgericht eine erdrückend hohe intellektuelle Last liegen. Sie müssten Fragen beantworten, an denen tausende Wissenschaftler des Weltklimarates und seines Umfeldes nach wie vor knapsen, denn so einfach ist es nicht mit der Zuordnung. Es ist nicht mal geklärt, wie groß die Rolle des Kohlendioxids bei der Erderwärmung ist, die Unsicherheit ist nach wie vor groß. Ganz abgesehen von den Auswirkungen des CO2 auf die Gletschermelze, bei der es ja nicht nur um globale Temperaturen geht, sondern auch um Niederschläge, um Luftströmungen und die Großwetterlage. Warum sonst wachsen heute manche Gletscher, nicht nur im Himalaja? Auch in Peru übrigens. Siehe hierzu auch diesen Link.

Vielleicht haben ja Germanwatch und der Bauer die geforderte Geldsumme deshalb so gering angesetzt, auf 17.000 Euro. Quasi als Angebot an die Richter, es nicht so hoch zu hängen, nach der Devise, schaut mal, diese paar Kröten kann der Riesenkonzern ja wohl blechen – und schon wäre die Klimafolgendiskussion aktenkundig geklärt. Samt Schuld und Sühne. Die Erderwärmung, ein justiziables Verbrechen gegen die Menschheit. So soll es sein. Ach ja?

Weiterlesen auf Donner + Doria.

 

Ankündigung: Vortrag von Sebastian Lüning auf der Contre-COP22 in Paris am 2. Dezember 2016

Kalte-Sonne-Koautor Sebastian Lüning wird am 2. Dezember 2016 um 9:00-9:30h auf der Contre-COP22 in Paris einen Vortrag zur Mittelalterlichen Wärmephase halten. Schwerpunkt ist die historische Klimaentwicklung in Frankreich und Nachbarländern. Im Juni 2016 hatte die französische Regierung das derzeit laufende Kartierprojekt zur mittelalterlichen Klimaanomalie aus einem Wettbewerb genommen, was bei vielen Beobachtern Verwunderung ausgelöst hatte. Im Vortrag wird Sebastian Lüning den aktuellen Stand des Projektes darstellen.

Die Veranstaltung findet am 1. und 2. Dezember 2016 im ASIEM Konferenzzentrum statt (6 rue Albert de Lapparent, 7. Arrondissement, Paris), gegenüber dem UNESCO-Sitz. Das Programm der Konferenz finden Sie auf skyfall.fr (pdf hier).

Vormerken: Kalte-Sonne-Vortrag am 11. November 2016 auf der 10. Internationalen Klima – und Energiekonferenz in Berlin

Seit viereinhalb Jahren berichten wir im Kalte-Sonne-Blog über den Klimawandel und die Energiewende. Bislang hatten wir auf die Einrichtung einer Kommentarfunktion bewusst verzichtet, da wir als kleines ehrenamtlich tätiges Team die notwendige Moderatorentätigkeit nicht leisten konnten. Trotzdem ist uns durch Zuschriften bewusst, dass sich einige Leser einen Kommentarbereich wünschen. Ab sofort können die Blogbeiträge daher auf der neuen Kalte-Sonne-Facebookseite kommentiert werden, bei deren Erstellung uns Leser Jakob dankenswerterweise tatkräftig unter die Arme gegriffen hat. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!

—————-

Am 11. und 12. November 2016 findet in Berlin die 10. Internationale Klima – und Energiekonferenz (IKEK 10) statt. Das Programm und Anmeldeunterlagen können Sie auf der Webseite des Ausrichters EIKE finden. Als Vortragender mit dabei ist auch Kalte-Sonne-Coautor Sebastian Lüning. Sein Vortrag “Vulkane, die schwarzen Schwäne der Evolution” ist Teil des Freitagnachmittagsthemas “Messen statt Modellieren” und steht zwischen 14:45-15:30 Uhr auf dem Programm.

—————-

In der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlichte Daniele Muscionico am 13. Oktober 2016 eine lesenswerte Kolumne:

Klimawandel, Klimaleugner
Das Letzte: Erster Schnee
Jetzt ist er da. Wie immer zu früh. Wobei, froh soll man sein über ihn – den ersten Schnee. Er straft die Grämlichen unter uns Lügen: Zeitgenossen, die glauben, Klimaerwärmung sei mehr als eine leere Drohung. Der erste Schnee versetzt sie ins Unrecht. Wie und wo wird es immer wärmer? Nicht in der Schweiz, wie der landesweite Fall zeigt, der Schneefall. Es schneit! [...] Klimaleugner? Niemand bei klarem Verstand wird leugnen, dass es ein Klima gibt. Die Frage ist, welches. Doch dass das Klima immer das bestmögliche ist, dass es schon irgendwie irgendwann wieder auf die Füsse kommt, hat uns der Wald gezeigt: Das Gerücht vom Waldsterben zählt zu den bemerkenswerten Irrtümern der jüngsten Wissenschaftsgeschichte.

Weiterlesen in der Neuen Zürcher Zeitung

—————-

Es ist manchmal gar nicht so einfach, fair und seriös zu bleiben. Das gilt für beide Seiten der Klimadiskussion. Beispiel: Immer wieder wird Klimaskeptikern unterstellt, sie würden auch mit anderen kruden Thesen liebäugeln: Die Erde ist eine Scheibe, Rauchen macht gesund und der täglich Genuß von 20 Millilitern bleifreiem Superbenzins fördert die Libido. Wenn man sich dann jedoch die Statistiken genau anschaut, verflüchtigt sich schnell der Verdacht, Klimaskeptiker könnten anfälliger für Verschwörungstheorien und Schwachsinn sein als der Rest der Bevölkerung. In Wahrheit ist die Gruppe klimaskeptisch denkender Menschen überdurchschnittlich gut ausgebildet und hat es gelernt den eigenen Kopf zum Denken zu verwenden, wie Untersuchungen zeigten.

Im SRF wurde am 17. August 2016 trotzdem der Versuch gestartet, völlig verschiedene Diskussionen miteinander zu verbandeln:

Wenn die Wissenschaft eine Verschwörungstheorie widerlegt
Was ist in der wolkigen Spur, die Flugzeuge am Himmel hinterlassen? Abgase? Wasserdampf? Oder gar Gift? Die Menschen würden mit solchen Flugzeugabgasen vergiftet oder manipuliert; daran glauben Vertreter der sogenannten «Chemtrail-These». Nun hat eine wissenschaftliche Studie dies widerlegt. 77 Wissenschaftler aus der ganzen Welt wurden dazu befragt. Einer von ihnen ist Otto Klemm, Professor für Klimatologie an der Universität Münster. Ein Gespräch.

Man muss sich schon ernsthaft fragen, warum sich Otto Klemm, ein deutscher Universitäts-Professor der Klimatologie, überhaupt mit einer so offensichtlich absurden Verschwörungstheorie wie dem Chemtrail-Quatsch beschäftigt. Aber nach den traurigen Erfahrungen mit den perfiden Methoden eines Stephan Lewandowsky, der skrupellos und in kompletter Verdrehung der Faktenlage, seriöse IPPC-Kritiker in die Nähe von Anti-Mondlandungs-Spinnern rückte, kommt einem schnell der Verdacht, dass die Beschäftigung mit dem Chemtrail-Unsinn nur ein vorgeschobenes Mittel zum Zweck sein könnte, um abermals die unbequemen Klima-Realisten als einfältige Verschwörungstheoretiker verleumden zu können… Und – Surprise, Surprise – tatsächlich steuert das Radio-Interview im stets klimaalarmistischen SRF zielstrebig genau auf diese vorhersehbare “Take-Home-Message” zu, wenn Otto Klemm abschliessend und frohlockend verkünden darf, dass es “schon Ähnlichkeiten zwischen den beiden Debatten (= IPCC-Kritik und Chemtrail) gäbe”. Dieser neue Tiefpunkt in Sachen journalistischer und wissenschaftlicher Ethik kann hier nachgehört werden.

 

 

 

Nach Brexit jetzt der Clexit: Großbritannien hat sein Energie- und Klimaschutz-Ministerium aufgelöst

In der Weltwoche vom 29. Juni 16 kümmerte sich Markus Schär in der Rubrik Personenkontrolle wieder einmal um den Klimawandel:

«Spinnt unser Wetter?», fragte der «Club» von SRF letzte Woche wegen des Dauerregens. «Und wer ist schuld?» Der Mensch, stand für die Gästerunde von Professor Reto Knutti bis Grünen-Präsidentin Regula Rytz fest; Skep­tiker blieben aussen vor. Auf den Spott, Moderator Thomy Scherrer debattiere mit sechs ­katholischen Geistlichen über die unbefleckte Empfängnis, schoss Chefredaktor Tristan Brenn zurück: «Ich finde Nuancen spannender als das Gepolter von Sektierern.» Wie wahre Wissenschaftlichkeit geht, zeigte ein Einspieler darüber, «was für Folgen der Erderwärmung bis heute zu sehen sind»: Die Pazifikinsel Kiribati versinke im Meer (bis in fünfzig Jahren, nicht heute), der Aletschgletscher verschwinde, und die Eisbären verlören ihren Lebensraum, weshalb sie sich schon mit Grizzlys zu «Cappuccino-Bären» kreuzten. Tags darauf kam von internationalen Experten das Dementi: Der eine getötete «Cappuccino-Bär», mit dem die Klima-­Alarmisten weltweit Propaganda gemacht hatten, erwies sich in der genetischen Analyse als blonder Grizzly – eine bekannte natürliche Variation. (sär)

Hier geht es zur SRF-Sendung:

Land unter – spinnt unser Wetter?
Unser Wetter spielt verrückt. Dauerregen statt Sommerhitze. Hochwasser, Erdrutsche, Steinschläge sind die Folge. Warum regnet es so viel? Werden solche extreme Wetterlagen zum Normalfall? Und wer ist schuld?

Anstatt einer detaillierten Rezension, hier einige Lesetipps:

—————-

Am 8. und 9. September 2016 findet in London die Konferenz “Climate Change: Science and Geoethics” statt.

Auszug aus dem Programm vom 8.9.2016:

Session 1: Planet Earth in the cosmos

09.00     Athem Alsabti: Effects of Nearby Supernovae on Atmosphere and Climate

09.20     Oliver Manuel: Neutron Repulsion *

09.30     Discussion

09.40     Tea and coffee

Session 2: Influence of the Sun and the major planets on the Earth’s climate

10.00     Nils-Axel Mörner: An introduction to planetary-solar-terrestrial interaction

10.10     Roger Tattersall & Richard Salvador: Does solar system orbital motion and resonance synchronize solar variation, LOD and ENSO?

10.20     Ned Nikolov & Karl Zeller: A new planetary temperature model and its implication for the Greenhouse theory

10.40     Nicola Scafetta: Multi-frequency spectral coherence between planetary and global surface temperature oscillations

11.00     Jan-Erik Solheim: Ice margins, the Sun and the planets

11.20     Per Strandberg: Drivers of ENSO variability

Weiterlesen und Anmeldung auf geoethic.com.

—————-

Nach dem Brexit jetzt der Clexit? Letzterer (“Climate Exit”) bezeichnet den Rückzug aus den überambitionierten Emissionsreduktionen der letztjährigen Pariser UNO-Klimakonferenz.

—————-

Apropos Brexit. Großbritannien hat kurz danach sein Energie- und Klimaschutz-Ministerium aufgelöst. Ein Grund zur Freude, da die Kombination schwer erträglich war. Das fühlte sich so ein bisschen an wie ‘Ministerium für Flugverkehr und Zitronenkuchen’. Eine gute Chance für mehr Klimarealismus und ausgewogene Energiepolitik.

—————-

Der Focus kann es nicht lassen. Am 29. Juni 2016 schrieb sich Michael Odenwald wieder einmal über angebliche Klimaflüchtlinge die Finger heiß, obwohl sich das Deutsche Klimakonsortium gegen diese einseitige Darstellung entschieden verwahrt. Mit Bezug auf die Studie eines Politologen (!) prophezeit Odenwald schlimmste Migrationskonsequenzen, falls sich das Äquatorklima auch nur einen Hauch ändern sollte. Sehet Euch vor, der Weltuntergang ist nahe! Es ist schon schlimm, dass der Focus ihrem Redakteur dies überhaupt gestattet. Hier wird ein Zusammenhang hochgepusht, der von der Wissenschaft viel differenzierter gesehen wird, als Odenwald es seinen Lesern vormacht. Siehe:

 

Deutscher Klimaatlas bringt es ans Licht: Berliner Zeitung liegt bei alarmistischer Regenstory voll daneben

Am Mittwoch den 27. Juli 2016 hält Prof. Werner Kirstein im Parksalon des Weißen Hauses in Leipzig um 19 Uhr einen Vortrag mit dem Titel:

Dreißig Jahre Klimakatastrophe – statt Erwärmung ein Zwei-Grad-Ziel

Ausrichter der Veranstaltung ist der Verein Erdgeschichte im Südraum Leipzig.

—————-

Die Berliner Zeitung beklagte am 29. Juni 2016 einen vermeintlichen Klimaschaden:

Klimawandel: Der Weiße See braucht Wasser
Der weltweite Klimawandel wirkt sich auch auf Weißensee aus. Weil es in den vergangenen Jahren deutlich weniger geregnet hat, ist der Wasserstand im Weißen See an der Berliner Allee in den Sommermonaten erheblich gesunken, im vergangenen Jahr um etwa einen halben Meter.

Das Straßen- und Grünflächenamt Pankow füllt den See nun aus einem Tiefbrunnen wieder auf. Ob die Pumpkosten über den Green Climate Fund der UNO abgerechnet werden können? Im Zuge der Amtshilfe prüfen wir für die UNO den Sachverhalt. Ist der niedrige Wasserstand des Weißensee wirklich eine Folge des anthropogenen Klimawandels? Sind die Regenfälle im Raum Brandenburg/Berlin in den letzten Jahren und Jahrzehnten wirklich weniger geworden, wie von der Berliner Zeitung behauptet?

Wir ziehen den Deutschen Klimaatlas des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu Rate. Hier wählen wir die Optionen Brandenburg/Berlin, Niederschläge und Kalenderjahr. Da das Jahr 2016 noch nicht abgeschlossen ist, wählen wir Daten bis 2015. Die resultierende Niederschlagskurve seit 1881 bringt eine faustdicke Überraschung (Abbildung 1): Die Niederschläge haben stets geschwankt. Die letzten Jahrzehnte lagen dabei sogar über dem langjährigen Durchschnitt (die dicke blaue Kurve in der Abbildung gibt 30-jährige Mittelwerte an). Es wird schnell klar: Die Klimawandel-Erklärung der Berliner Zeitung ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass es sich um ganz natürliche Schwankungen handelt, wie es sie in der regionalen Niederschlagsstatistik der letzten 130 Jahre immer gegeben hat. Angesichts der enormen politischen Bedeutung der Klimawandeldiskussion ist es unverantwortlich von der Zeitung, Vermutungen ohne selbst die einfachste Prüfung zu veröffentlichen.

 

Abbildung 1: Niederschlagsentwicklung in Brandenburg/Berlin für die vergangenen 130 Jahre. Quelle: Deutscher Klimaatlas.

 

 

Treffen der Initiative KlimaKontroverse am 16.6.2016 in Hannover

Nächstes Treffen, Do, 16. Juni 2016, 19:30, Freizeitheim Linden, Windheimstr. 4, 30451 Hannover. Das Hauptthema des nächsten Treffens

Hat sich das Klima erwärmt?
Die einen sagen so und die anderen sagen so. Doch wie sind die Fakten? (weiterlesen …)

ARD-Doku “Im Land der Lügen – Wie uns Politik und Wirtschaft mit Zahlen manipulieren”

In der ARD lief am 11. April 2016 eine höchst sehenswerte Doku, die allen Bloglesern wärmstens ans Herz gelegt wird. Auf der Webseite zum Film heißt es:

Im Land der Lügen – Wie uns Politik und Wirtschaft mit Zahlen manipulieren
Zahlen lügen nicht! Diese angebliche Wahrheit machen sich viele zunutze – vor allem Politik und Wirtschaft, lassen sich doch hinter scheinbar objektiven Zahlen die wahren Interessen und Ziele “wissenschaftlich” verbergen.

Ob Bluthochdruck oder Blutzucker – die letzten Jahre wurden die Grenzwerte immer wieder gesenkt. Zur Freude der Pharmaindustrie, die auf diese Weise zu Millionen neuer Patienten kommt. Und der medizinische Nutzen ist längst nicht so eindeutig, wie man der Öffentlichkeit suggeriert, basieren die Zahlen doch oft auf fragwürdigen Studien, die interessengesteuert entstanden sind, sagt der weltweit anerkannte Risikoforscher Prof. Gerd Gigerenzer.

“Wir sollten aber nicht nur beklagen, dass man uns mit Zahlen manipuliert. Wir brauchen auch Ärzte, die wissen, wie Grenzwerte entstehen und was sie tatsächlich bedeuten”, fordert Gigerenzer.

Nur ein Beispiel von vielen, wie Wirtschaft oder Politik den Menschen ein X für ein U verkaufen. Ob Cholesterin oder Bevölkerungsprognosen mit Arbeitskräftemangel samt Rentenlücke – täglich wird die Öffentlichkeit mit einer Datenflut überschüttet. Doch kann man den Zahlen wirklich vertrauen? Woher kommen sie? Welche Interessen stecken dahinter und wie wird getrickst? Zahlen, Daten, Diagramme nach Interessenlage? Wie kommen Versicherer zum Beispiel auf Lebenserwartungen von 115 Jahren bei ihren Prämienberechnungen?

Diese Dokumentation begibt sich auf eine Suche nach der Wahrheit im “Land der Lügen”. Zeigt, mit welchen Tricks getäuscht und manipuliert wird. Und worauf man in Zukunft achten sollte, wenn man nicht im Zahlenmeer ertrinken will. Denn ohne Glaubwürdigkeit haben die besten Zahlen und die schönsten Statistiken jeden Wert verloren.

Ein Film von Tilman Achtnich

Online auch auf Youtube verfügbar:

—————-

Am 9. Juni 2016 können sich wieder Journalisten kostenlos über den Klimawandel “informieren”. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) warb in einer Pressemitteilung auf idw für die Veranstaltung in Hannover:

Journalistenworkshop “Klimawandel in Norddeutschland”

Christian Schlag Stab Direktor
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Einladung zum Journalisten-Workshop zu Extremwetter, Risikovorsorge und Strategien für weniger Treibhausgase | 9. Juni 2016 | Hannover

Termin: 9. Juni 2016, 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr
Ort: Werkhof Hannover Nordstadt, Schaufelder Straße 11, 30167 Hannover

Deutschland hat immer mehr mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen, wie Studien des Deutschen Wetterdienstes zeigen. Steigende Temperaturen, feuchtere Winter und häufigere Wetterextreme wirken sich zunehmend auf die deutsche Gesellschaft aus. Mehr Hitzetage führen zu höheren Gesundheitsrisiken, da die Hitze Menschen stark belasten kann. Städte sind besonders betroffen, weil sie sich im Sommer stärker aufheizen als das Umland. Und auch Starkregen kann in dicht besiedelten Räumen große Schäden anrichten.

• Was bedeuten die Szenarien der Klimaforschung für Norddeutschland?
• Lässt sich der Klimawandel abmildern?
• Wo werden welche Wetterextreme häufiger vorkommen und mit welchen Konsequenzen?
• Wie sind Kommunen, Unternehmen und die Politik auf den Klimawandel vorbereitet und was kann jede/r Einzelne tun?

Weiterlesen auf idw.

Steigende Temperaturen in Deutschland? Ja und nein. Siehe:

Feuchtere Winter? Kann sein. Aber ist das schlimm? Bei den Extremniederschlägen sind jedenfalls keine Auffälligkeiten zu vermelden:

Häufigere Wetterextreme? Wohl kaum:

Kann man sich auf die Inhalte des Workshops verlassen, wenn bereits in der Ankündigung irreführende Angaben gemacht werden?

—————-

Die Wissenschaftliche Abteilung der Französischen Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland gab am 9. Mai 2016 per Pressemitteilung bekannt:

Ségolène Royal startet die Initiative “100 Projekte für das Klima”

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Die Ministerin für Umwelt, Energie und Meeresangelegenheiten, zuständig für die internationale Klimapolitik, Ségolène Royal, startete im Rahmen der Umweltkonferenz in Paris am 25. April 2016 eine neue Internet-Plattform, mit der die weltweit 100 innovativsten Bürgerinitiativen für das Klima gefördert werden sollen.

Die dreisprachige Plattform 100projetspourleclimat.gouv.fr stellt die Initiativen, Engagements und Lösungen vor, die von Bürgern aus der ganzen Welt zum Thema Kampf gegen den Klimawandel eingereicht wurden. Die auf dieser Plattform veröffentlichten Lösungen umfassen alle Bereiche des Kampfes gegen den Klimawandel: Projekte zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an den Klimawandel, zum Schutz der Gesundheit, zum Erhalt der Biodiversität, zur Entwicklung von Frühwarnsystemen etc. Die Bürger sind weltweit dazu aufgerufen, ihre Projekte in einer der drei Sprachen (Französisch, Englisch und Spanisch) bis zum 6. Juni 2016 einzureichen. Vom 6. Juni bis zum 6. Juli 2016 können die Bürger dann ihre Favoriten auswählen. Nach der Abstimmung der Internetnutzer werden die 100 Projekte mit den meisten Stimmen von Ségolène Royal zum Sieger gekürt. Diese werden bis zur COP22 im November in Marrakesch betreut und gefördert.

Quellen:
“Ségolène Royal lance l’opération 100 projets pour le climat”, Pressemitteilung des Umweltministeriums, 25.04.2016 – http://www.developpement-durable.gouv.fr/Segolene-Royal-lance-l-operation.html

“100 projets pour le climat”, Pressemitteilung des Umweltministeriums, 25.04.2016, http://100projetspourleclimat.gouv.fr/fr/

Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, unser Kartierprojekt zur Mittelalterlichen Wärmeperiode dort einzureichen. Mal sehen, ob es zugelassen wird…

 

Treffen der Initiative KlimaKontroverse am 7.4.2016: “Extremwetter – Ereignisse III”

Nächstes Treffen Do, 07. April, 19:30, Freizeitheim Linden, Hannover. Das Hauptthema des nächsten Treffens, 3. Teil:

Extremwetter – Ereignisse III: Was finden die Wetterdienste? Was schreibt der Klimarat IPCC? (weiterlesen …)