Waren Anwohner von Windfarmen vielleicht schon krank, bevor die Anlagen errichtet wurden?

Windkraftanlagen reichen hoch in den Himmel, um die Energie des Windes anzuzapfen. Damit werden sie aber auch zu Magneten für Blitze, die nur allzuleicht ihren Weg in die Spitzen der Windspargel finden. Die Zeitungen berichten regelmäßig über solche Einschläge. Zum Beispiel kürzlich in der Nähe von Löcknitz oder bei Bad Lausick. Die Feuerwehr kann in der Regeln nichts machen, denn ihre Leitern reichen nicht bis zum Brandherd heran. Also sperren sie das entsprechende Windrad weiträumig ab, damit herabfallende Trümmer niemanden verletzen. Genau diese Trümmer können aber auch später für die Tierwelt zur Gefahr werden, wie Die Glocke am 7. Mai 2018 meldete:

Zerborstenes Windrad bedroht Tiere
Splitter eines zerborstenen Windrades im Kreis Paderborn stellen nach Ansicht eines Gutachters eine erhebliche Gefahr für Tiere dar. Wenn Wild- oder Weidetiere diese Kleinstteile aufnähmen, könne dies innere Verletzungen hervorrufen, heißt es in einem Gutachten.

Weiterlesen in der Glocke.

Das Landleben kann so schön sein. Plötzlich jedoch steht eine Gruppe rotierender Windkraftanlagen vor der Tür. Für die grünen Planer mag dies Fortschritt sein, für die betroffene Lokalbevölkerung ist dies jedoch meist ein Alptraum. Allein der Besitzer des Grundstüks, auf dem die Anlage steht, reibt sich die Hände. Zehntausende von Euros spülen die Anlagen nun in die Grundbesitzerkasse. Die Nachbarn schauen jedoch in die Röhre, müssen ab nun mit dem Flackerschatten der Rotoren, den Anlagen-Geräuschen sowie den Infraschall-Beeinträchtigungen klarkommen. In der ganzen Welt laufen die Menschen Sturm gegen die Mühlen. In Kanada hat man daher jetzt Studien unternommen, um mögliche gesundheitlche Folgen von Windfarmen zu erforschen. In einer ersten Studie hatten die Wissenschaftler bereits gefunden, dass Bewohner in der Nähe von Windkraftanlagen vermehrt unter Schlafstörungen, Bluthochdruck und Stress leiden. Allerdings konnte kein Bezug zur Entfernung zu den Anlagen ermitelt werden. Daher gab es nun eine Folgestudie, die nun belegt, was man intuitiv schon vermuten könnte: Je näher die Bewohner an den Windfarmen wohnen, desto höher sind die gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Nun wird es kurios: Die Windkraftlobby gibt zu bedenken, dass der Gesundheitszustand der Anwohner VOR dem Bau der Windkraftanlanlagen nicht ermittelt worden war. Daher wäre nicht auszuschließen, dass durch einen dummen Zufall die Anlagen genau dort gebaut wurden, wo die Anwohner bereits vorher kränker als anderswo gewesen sind. Da es keine vorher-nachher-Daten gäbe, sei die Studie nicht verwertbar. Insofern könne man auch nicht behaupten, dass Windkraftanlagen krank machen. Eine geniale Verteidigungslinie, die natürlich absolut irre ist – was alle Beteiligten genau wissen. Immerhin sichert sie den Forschern nun eine Folgestudie. Man muss kein Hellseher sein, um das Ergebnis der nächsten Untersuchung zu erraten: Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen begannen bei den meisten Bewohnern etwa zu der Zeit, als die Anlagen aufgestellt wurden. Sicher wird die Windkraftlobby wieder kreativ und ein neues Gegenargument vorbringen. Vermutlich etwas aus dem Bereich des Klimawandels. Zum Beispiel: Die Krankheiten setzten ein, als das CO2 die 405 ppm-Marke überschritten haben, was nur rein zufällig mit der Eröffnung des Windparks zusammenfällt. Willkommen in Absurdistan. Hier die Pressemitteilung des American Institute of Physics vom 5. Juni 2017 (via Science Daily):

Does living near wind turbines negatively impact human health?

Wind turbines are a source of clean renewable energy, but some people who live nearby describe the shadow flicker, the audible sounds and the subaudible sound pressure levels as “annoying.” They claim this nuisance negatively impacts their quality of life. A team of researchers from the University of Toronto and Ramboll, an engineering company funding the work, set out to investigate how residential distance from the wind turbines — within a range of 600 meters (1,968.5 feet) to 10 kilometers (6.2 miles) — affects people’s health. They reanalyzed data collected for the “Community Noise and Health Study” from May to September 2013 by Statistics Canada, the national statistical office. The team reports their new analysis in the Journal of the Acoustical Society of America.

“The Community Noise and Health Study generated data useful for studying the relationship between wind turbine exposures and human health — including annoyance and sleep disturbances,” said Rebecca Barry, an author on the paper. “Their original results examined modeled wind turbine noise based on a variety of factors — source sound power, distance, topography and meteorology, among others.” The team’s new assessment confirmed Statistics Canada’s initial findings. “Respondents who live in areas with higher levels of modeled sound values (40 to 46 decibels) reported more annoyance than respondents in areas with lower levels of modeled sound values (<25 dB),” Barry said. Unsurprisingly, the survey’s respondents who live closer to the turbines “were more likely to report being annoyed than respondents who live further away.”

The earlier Statistics Canada study found no direct link between residents’ distance from wind turbines and sleep disturbances (as measured by sleep assessments and the Pittsburgh Sleep Quality Index), blood pressure, or stress (either self-reported or measured via hair cortisol). However, the more recent study showed that survey respondents closer to wind turbines reported lower ratings for their environmental quality of life. Barry and her co-authors note that their cross-sectional study cannot distinguish whether these respondents were dissatisfied before the wind turbines were installed. “Wind turbines might have been placed in locations where residents were already concerned about their environmental quality of life,” said Sandra Sulsky, a researcher from Ramboll. “Also, as is the case with all surveys, the respondents who chose to participate may have viewpoints or experiences that differ from those who chose not to participate. Survey respondents may have participated precisely to express their dissatisfaction, while those who did not participate might not have concerns about the turbines.”

The team’s more recent study didn’t explicitly find evidence that exposure to wind turbines actually impacts human health, but in the future, “measuring the population’s perceptions and concerns before and after turbine installation may help to clarify what effects — if any — exposure to wind turbines may have on quality of life,” Sulsky said.

Rebecca Barry, Sandra I. Sulsky and Nancy Kreiger. Using residential proximity to wind turbines as an alternative exposure method to investigate the association between wind turbines and human health. Journal of the Acoustical Society of America, 2018 DOI: 10.1121/1.5039840